Ein Rückblick

Bildung der Grundschule nach der Wende (1991 ), ein Rückblick im Jahr 2001 von Siegward Thums, stellvertretender Schulleiter a.D.

Am Donnerstag, dem 22. August 1991 begann die Geschichte der neuen Grundschule mit einer Schulversammlung auf dem Schulhof.
Viel Arbeit, Stress und Hektik gingen einem planmäßigen Anfang voraus. Bei der Verteilung der Gebäude für die neuen Schulen (Real- und Grundschule) am Ende des Schuljahres 1990/91 war die Aufteilung nicht genügend bedacht worden. Es wurde notwendig, dass in der Vorbereitungswoche ein kompletter Umzug von einem Schulgebäude ins andere vorgenommen werden musste. Aber am Sonnabend, dem 24. August 1991, wurden die beiden ersten Klassen eingeschult und der Unterricht begann planmäßig am Montag, dem 26. August. Damals waren es 12 Klassen von der 1. bis zur 6.

Klasse. Frau Susanne Rudolph war die erste Schulleiterin, die bis zum Jahre 1997 die Schule leitete, 12 Kolleginnen und Kollegen waren an ihrer Seite. Nachdem sie in den Ruhestand gegangen war, übernahm Frau Sibyll Pelka-Maywald die Leitung unserer Grundschule.
Die Arbeit in diesem ersten Schuljahr war für viele Lehrer neu. Neue Bücher, ungewohnte Unterrichtsmethoden, wie z.B. Freiarbeit, Projekttage und –wochen, neue Rahmenpläne statt Lehrpläne, all das stürmte auf uns ein.

Auch für die Schüler war vieles neu. Vor allem die größeren Schüler waren noch durch das alte System geprägt. Demokratie musste erst stufenweise gelernt werden. Wahl der Schülervertretung, Eltern- und Schulkonferenz, Elternsprecher, all diese Begriffe mussten mit Leben erfüllt werden.
Es herrschte trotzdem eine gewisse Aufbruchsstimmung. Von Anfang an haben wir versucht, der Schule ein Profil zu geben. Die Lage der Schule am Wald, mit einem Schulgarten und dem Forstbetrieb im Ort waren Impulse, dass sich das Kollegium der Grundschule in Zusammenarbeit mit Eltern vornahm, der Schule ein Umweltprofil zu geben.

Vom neu gegründeten Umweltministerium des Landes Brandenburg erhielten beide Schulen insgesamt 5.000,- DM, die u .a. dafür eingesetzt wurden, auf dem Schulhof Bäume zu pflanzen, im Schulgarten einen Teich anzulegen und ein Umweltkabinett zu schaffen.

Schon im ersten Jahr wurde begonnen, Höhepunkte zu schaffen. Dies waren z.B. das vorweihnachtliche Basteln an einem Adventssonnabend mit Kindern und Eltern, der Schulfasching und das Sommerfest. Diese sind auch nach 10 Jahren weiterhin Höhepunkte im Schuljahr.
Aber auch die Projekttage und –wochen wurden von Anfang an mit einem hohen Niveau vorbereitet und durchgeführt. So war es im Jahr 1993 die Projektwoche "Mein Freund – der Baum". Auch andere Themen folgten, wie "Ohne Wasser kein Leben", "Leben mit Behinderten", "Wir sind alle Kinder einer Erde".

1994 fand ein Regenwaldprojekt statt, bei dem die damaligen 4. Klassen symbolisch ein Stück Regenwald kauften. Auch Solidarität mit anderen wurde gezeigt, so beim Basar im November 1996, wo über 1.000,- DM für eine Schule in Zaire gespendet wurde oder bei einer spontanen Hilfsaktion von 3 Schülerinnen einer 6. Klasse für ein krankes russisches Kind.
Die Umwelterziehung trug erste Früchte. Die Grundschule erhielt 1994 den Umweltschutzpreis des Kreises Oberhavel und ein zweites Mal im Jahre 1999. An den Umwelttagen der AWU beteiligten sich Schüler mit Wandzeitungen und anderen Beiträgen.
1997 begann das Schulwaldprojekt, bei dem die Grundschule symbolisch ein Stück Wald erhielt und dort naturverbundene Tätigkeiten durchführen kann.
Die ersten beiden Klassen fuhren 1995 in die Waldarbeitsschule Kunsterspring, um dort eine Projektwoche in Zusammenarbeit mit dem Heimattierpark durchzuführen. Auch das wurde eine feste Tradition unserer Grundschule, die bis 2005 anhielt, dann wurde die Waldarbeitsschule für Schulen geschlossen.

Aber auch der Sport kam an der Schule nicht zu kurz. So waren wir regelmäßig bei Zweifelderballturnieren im Kreis beteiligt und kamen fast immer in die Endrunde. Auch das Sportfest, immer Anfang Juni durchgeführt, gehört zum festen Leben an unserer Grundschule.

Natürlich gab es im Leben unserer Grundschule auch Misserfolge und Rückschläge. Der schlimmste war am 1. März 1996, nachdem durch die kalte Witterung die Wasserleitung eingefroren war und dann nach dem Auftauen in der Schule zahlreiche Klassenräume unter Wasser standen. In den folgenden Monaten mussten in Klassenräumen und Fluren neue Fußböden gelegt werden. Es fand für einige Monate Ausweichunterricht z.B. im Sportlerheim, in der Förderschule und im Essenraum statt.
Weitere Rückschläge waren ein Einbruch am 13. Oktober 1996, bei dem 3 CD-Player und die Verstärkeranlage des Schulfunks gestohlen wurden sowie ein Brand im Schulgarten am 25.01.1999, bei dem ein Teil des Geräteschuppens abbrannte.

Auch mit sinkenden Schülerzahlen mussten wir fertig werden. Trotz Zuzug von Familien waren im Schuljahr 2000/01 die erste bis vierte Klasse nur noch einzügig, aber mit je fast 30 Schülern und das in relativ kleinen Klassenräumen von etwa 50 Quadratmetern. Die Schülerzahlen steigen jedoch wieder, im Schuljahr 2001/2002 sind nur noch die dritte und vierte Jahrgangsstufe einzügig.
Trotzdem arbeitete das Kollegium mit viel Optimismus. In SCHILF (schulinterne Lehrerfortbildung) Veranstaltungen holten wir uns das Rüstzeug für die weitere Arbeit. Seit Beginn des Schuljahres 1997/98 wurden und werden an unserer Grundschule Integrationsschüler unterrichtet, die sonderpädagogischen Förderbedarf haben.

Weiterhin ist zu erwähnen, dass durch die Stadtverwaltung auch die materielle Situation verbessert wurde. In den Winterferien 1997 und 1998 erhielt die Schule neue Fenster, der Speiseraum und die Küche wurden neu gestaltet.
Im Jahre 2000 wurde die Turnhalle renoviert, hier das Dach und die Heizung renoviert und die Halle mit Vollwärmeschutz versehen.

Rückschauend kann man sagen, dass es uns in den letzten 10 Jahren gelungen ist, den meisten Schülern einen guten Start in die weiterführenden Schulen zu geben. Viele Schüler erinnern sich gern an die Grundschulzeit in Borgsdorf und zeigen dies, u.a. bei Besuchen beim Adventsbasteln. Auch von weiterführenden Schulen gibt es gute Rückmeldungen.